Waalwege

Mitte Oktober 2017

Seit er sesshaft wurde, musste sich der Mensch f├╝r seine angebauten Kulturen um die Bew├Ąsserung k├╝mmern. Im nieder­schlags­armen Vinschgau besonders auf der trockenen Sonnen­seite legte man auch schon vor langer Zeit ein umfangreiches Netz von sogenannten Waalen an, die das Wasser aus Gebirgs­b├Ąchen der Neben­t├Ąler zu Wein­h├Ąngen und Obst­plantagen leiten.

Um diese Bew├Ąsserungs­kan├Ąle warten und kontrollieren zu k├Ânnen, wurde neben jedem Waal ein Weg angelegt. Viele Waale im Vinschgau werden auch heute noch betrieben und die Waalwege sind auch als Wander­wege zug├Ąnglich.

Wir hatten uns eine Runde aus mehreren unter­schiedlich hoch liegenden Waalen zusammengebaut, ├╝ber die wir auch das Schloss Juval erreichen konnten.

Wir starteten im kleinen ├ľrtchen Tschars, das schon etwas oberhalb des Etsch­tales am Hang liegt. Zuerst ging es ├╝ber ein kleines Str├Ą├čchen durch die Apfel­plantagen steil bergauf. Die Wege sind nicht besonders auff├Ąllig markiert, also muss man die Augen offen halten, damit man keinen der kleinen Wegweiser ├╝bersieht.

Nach ein paar Kehren und einigen H├Âhen­metern erreichten wir den Tscharser Schnalswaal. Was f├╝r ein sch├Âner Name! Der Waal verlief zuerst unter schattigen B├Ąumen. Man kann sich gut vorstellen, wie viel Arbeit die Leute hatten, diesen Bew├Ąsserungs­graben und den Weg daneben anzulegen und zu pflegen. Schon von weitem ist in regel­m├Ą├čigem Rhythmus die Waal­schelle zu h├Âren. Sie dient dem Waaler als Zeichen, dass das Wasser im Waal flie├čt. Dort, wo es das Gel├Ąnde erfordert, wird der Waal auch ├╝ber kleine Br├╝cken und h├Âlzerne Rinnen gef├╝hrt. Oberhalb der zu bew├Ąssernden Grundst├╝cke hat man Abzweigungen eingebaut, die sich ├╝ber einfache Schieber bedienen lassen.

Entlang des Weges gibt es eine Reihe von interessanten Informations­tafeln auf italienisch und deutsch. Zwischendurch gibt es immer wieder sch├Âne Ausblicke ins Vinschgau und auf das gegen├╝ber liegende Ortler­massiv. Und wenn man so ins Tal schaut, sieht man, dass die Etsch auch in ein k├╝nstliches Bett eingezw├Ąngt wurde. Die Waale sind aber nicht so schnur­gerade und viel interessanter. Das Wasser erzeugt ein angenehmes Mikroklima und das stetige Pl├Ątschern neben dem Wanderweg erfreut das Herz. Da das Gef├Ąlle der Waale recht gering ist, steigt der Wanderweg dem Wasser entgegen nur ganz langsam aber stetig an.

├ťber den Tscharser Schnalswaal wird Wasser aus dem Schnalstal geleitet. Auf einem H├╝gel hoch ├╝ber dem Tal­eingang thront das Schloss Juval. Vom Schnalswaal ist es nur ein kurzes St├╝ck hinauf zu kraxeln. Neben dem Schloss wird auch Land­wirt­schaft betrieben: einige fette Schweine lagen faul in der Gegend herum. Neben dem Schloss gibt es eine kleine Gast­wirt­schaft und im Schloss das alpine Museum von Reinhold Messner. Wir hatten bei dem sch├Ânen Wetter keine Lust auf einen Museums­besuch und genossen daf├╝r lieber die Aussicht.

Leider gibt es von dort keine Wander­wege (mehr) ins Schnalstal, wir w├Ąren gern noch ein bisschen weiter dort lang gewandert. So stiegen wir nur auf einen kleinen Aussichts­punkt oberhalb des Schlosses und machten dann wieder kehrt. Zur├╝ck ging es dann an einem anderen Waal, dem Stabner Waal. Auch dort pl├Ątscherte ein paar Kilo­meter das Wasser neben uns her, wurde dann an einem Abzweig aber komplett abgeleitet. So sahen wir den Waal auch mal im trockenen Zustand und konnten uns ansehen, mit welchen unterschied­lichen Materialien er jeweils gebaut wurde.

An einem Weinhang begegneten wir einer netten Wein­b├Ąuerin und von ihr erfuhren wir noch einiges ├╝ber die Wasser­verteilung: Schon vor Generationen haben sich die Nachbarn geeinigt; derjenige, der turnusm├Ą├čig gerade das Wasser­recht besitzt, entnimmt dem Waal die volle Wasser­menge, die Absperr­schieber oberhalb bleiben dann geschlossen. So hat jeder Nachbar seine feste Bew├Ąsserungs­zeit und es kommt nicht zu Schummeleien oder Streit. Durch bunte Wein- und Obst­plantagen wanderten wir dann wieder zur├╝ck nach Tschars. Der Herbst zeigte sich noch einmal von seiner sch├Ânsten Seite.

Im Vinschgau gibt es ein gro├čes Netz von noch funktionierenden Waalen und Waalwegen. Um sich seine Tour nach Lust und Kondition zusammen zu bauen, hat man dort die Qual der Waal. ­čÖé Verpassen sollte man eine Waal­wanderung aber keinesfalls, wenn man im Vinschgau ist.