Radtour durch Bayrisch Schwaben

August 2019

Unsere alten Fahr­räder waren in die Jahre gekommen, eins hatte sogar einen nicht reparier­baren Riss im Rahmen, also wurde es Zeit sich nach neuen umzusehen. Der Fokus lag auf Touren­tauglich­keit, E-Mobilität war nicht vorgesehen, noch bewegen wir uns gern selbst.

Rechtzeitig zu Susis Geburtstag waren die richtigen Räder gefunden, da konnte eine längere Tour nicht lange auf sich warten lassen. Zum Glück verehren die Bayern diese Maria, für uns könnte statt­dessen auch das Augsburger Friedens­fest als Feiertag begangen werden. Und damit sind wir schon direkt bei unserer Tour:

Auf unserer Tourkarte gab es einen großen "weißen Fleck" westlich von Augsburg im schwäbischen Teil Bayerns, geologisch auf der sogenannten Donau-Iller-Lech-Platte. Aus vor­handenen Radwegen und möglichen Camping­plätzen baute ich eine Runde für 4 Tage.

Den Lech sind wir in seinem Oberlauf schon mehrmals schön gepaddelt. Ab Füssen hat man den Fluss in eine Kette von Stau­stufen verwandelt, viele von ihnen bekamen nicht mal einen eigenen Namen, sondern wurden nur unpoetisch durch­nummeriert. Da schmerzt es nicht so sehr, dort "nur" entlang zu radeln und nicht auch auf dem Wasser unterwegs zu sein.

Wir suchten uns als Startpunkt die Staustufe 23 (Mandichosee) heraus. Dort gibt es einen großen Parkplatz, wo wir das Auto stehen lassen konnten. Los ging es auf dem Lechradweg, auf einigen Karten auch "Romantische Straße" genannt, nach Norden in Richtung Augsburg. Den Lech bekommt man unterwegs gar nicht so oft zu Gesicht; durch die vielen Wehre in den nicht gestauten Abschnitten sieht er aber überall ähnlich aus.

Unser Weg führte durch den schattigen Augsburger Stadtwald, unvermittelt erreichten wir beim Hoch­ablass die Stadt­grenze. Am Hoch­ablass wird das Wasser für die Augsburger Stadt­gräben und den Eiskanal abgezweigt.

Historisch interessant ist vielleicht das Husaren­stück, das den DDR-Kanuten dort gelang: Die BRD hatte für die Olympischen Spiele 1972 den Eiskanal als weltweit ersten künstlichen Wild­wasser­kanal gebaut. Der Heim­vorteil zeigte sich schon 1971 bei den vor­olympischen Wett­bewerben, die damaligen Welt­meister aus der DDR erreichten nur zweimal Bronze. Danach reisten findige DDR-Sportler nach Augsburg, um den Kanal mit Foto­apparat und Maßband zu erkunden. In Rekord­zeit von drei Monaten (das Original brauchte 10) wurde an einem Mühlen­kanal an der Zwickauer Mulde der Eiskanal nachgebaut. Dort konnten die DDR-Kanuten trainieren, da sie ja nicht zum Training nach Augsburg reisen durften.

Schlussendlich gewannen die DDR-Sportler bei Olympia alle Kanu-Slalom-Wett­bewerbe. Die BRD-Seite war darüber nicht so glücklich, und wie der damalige BRD-National­trainer 2011 dem Spiegel sagte, war auch das Verhältnis zu den DDR-Kanuten "eisig". Vielleicht ist es ein Trost für ihn, dass der Eiskanal in Augsburg auch heute noch in Betrieb und gut genutzt ist, während - analog zu vielen anderen ostdeutschen Bauten - der Zwickauer Kanal verfallen und teilweise zugewachsen ist.

So, jetzt aber zurück vom Wasser aufs Fahrrad! Augsburg bietet noch bedeutendere historische Sehens­würdig­keiten, deshalb schlängelte sich unsere Tour durch die historische Altstadt, vorbei an Puppen­kiste und Residenz. In der Fuggerei konnten wir einen heftigen Regen abwettern.

Nach Augsburg verließen wir den Lech­radweg und fuhren mal wieder auf einer alten Bahn­strecke, dem Landrat-Dr.-Frey-Radweg, gemütlich nach Welden. Von dort ging es auf wenig befahrenen Sträßchen und über ein paar bewaldete Hügel quer durch den "Naturpark Augsburg - Westliche Wälder." Auf dem Donau­ried-Radweg erreichten wir am späten Nachmittag Dillingen an der Donau, wo der Camping­platz von Radfahrern wimmelte, die alle auf dem Donau-Radweg unterwegs waren.

Am nächsten Morgen fuhren auch wir auf dem Donau­radweg, allerdings "gegen den Strom" - die meisten Donau­radweg-Radler fuhren fluss­abwärts. Unser Ziel war vorerst einmal Ulm. Wir kamen durch Lauingen, fuhren vorbei an Gundel­fingen und Günzburg und sahen uns einen alten römischen Tempel an. Längere Abschnitte des Radweges führten aber an der Donau auf dem Deich entlang oder brett­eben durch dichten Auenwald.

Obwohl wir schon öfter in Ulm waren, ließen wir uns den Abstecher zum Münster nicht nehmen. Ulm hat zu jeder Jahreszeit seine Reize. Im weiten Umkreis von Ulm gibt es keine Camping­möglichkeit, deshalb führte unsere Tour weiter in Richtung Süden auf den Iller-Radweg. Die Iller wurde dort brutal kanalisiert, sie fließt zwar recht flott, aber zum Paddeln hätten wir dort keine Lust. Oberhalb von Kempten sieht sie ganz anders aus.

Der Iller-Radweg wird als "Natur­erlebnis­radweg" bezeichnet und als Natur­liebhaber sei man auf ihm genau richtig. Bei Nässe bekommt man dort sehr intensiven Natur­kontakt (es wird matschig wie die Sau ), davor warnt sogar die offizielle Website. Naja. Wir kennen spannendere Fluss­radwege, wenn ich nur mal an Tauber, Wiesent oder gar Altmühl denke. Allerdings gibt es, falls es sehr warm sein sollte, entlang der Iller einige sehr klare Badeseen, die vermutlich bei der Begradigung des Flusses übrig geblieben sind. In Iller­tissen fanden wir ein kleines Eckchen für unser Zelt auf dem Campingplatz und einen gemütlichen Landgasthof mit leckerem Abendbrot.

Der Iller-Radweg änderte auch am nächsten Morgen seinen Charakter nicht. Nach einigen Kilometern verließen wir ihn endgültig und wechselten auf einen Radweg mit der schönen Bezeichnung "Schwäbische Kartoffel Tour". Auf schnur­geraden Asphalt­wegen mit Blick auf die Allgäuer Alpen rollten wir in Richtung Memmingen. Memmingen hat eine hübsche Altstadt und lud uns zu einer gemütlichen Pause ein.

Frisch gestärkt fuhren wir weiter auf dem Kneipp-Radweg über Otto­beuren mit seiner orts­beherrschenden Benediktiner­abtei bis nach Bad Wörishofen. Der Camping­platz liegt etwas außerhalb des Bade-Ortes und war so rappelvoll, dass selbst für unser kleines, bescheidenes Zelt kein Plätzchen mehr zu finden war. Die Pension am Camping­platz war dagegen absolut leer und wir bekamen ein preiswertes Zimmer. Den gemütlichen Aufenthalts­raum mit Kamin und Blick über den geschäftigen Camping­platz hatten wir ganz für uns allein. Auch schön.

Im Gasthof Adler gab es gut gekochtes, deftiges Essen und anschließend einen Bier-Likör aus haus­eigener Produktion, der so lecker war, dass wir bereit waren, eine Flasche davon zusätzlich in unser Fahrrad-Gepäck zu packen. (Übrigens kann man ihn auch online bestellen, falls man nicht in der Gegend vorbei kommt. )

Ab Bad Wörishofen hieß unsere Strecke am nächsten Morgen bis nach Landsberg "Ammersee-Radweg". Er führte sehr verkehrsarm durch offene, landwirtschaftlich geprägte Ebenen mit Alpen­blick. Die Eis­zeit­gletscher haben allerdings zwei Gelände­rippen liegen gelassen, an denen wir ganz schön strampeln mussten.

Landsberg am Lech hat vom Fluss aus eine schöne Stadt­ansicht und eine sehr gepflegte Altstadt. Genau das Richtige für eine gemütliche Mittags­pause im Kastanien­schatten vor der imposanten Stadt­pfarr­kirche. Ein Bierchen später zurück auf Fahrrad und Lechradweg alias "Romantische Straße".

Nördlich von Landsberg darf der Lech mal kurz frei fließen und zeigt mit verlockenden Schwall­strecken, was er mal für ein schöner Wild­fluss war. Aber schon bei Kaufering folgt die Staustufe 18. Bei Staustufe 23 waren wir gestartet und bis dahin gibt es kaum noch Besonderes zu berichten.

Die Tour war eine schöne Runde, allerdings gibt es für die etwas eintönigen Abschnitte, besonders an der Iller, Punktabzug. Insgesamt aber immer noch gute