Mai/Juni 2025
Riesig ist das Gebirge nicht, aber Gebirge ist es allemal. Der Riese Rübezahl soll hier leben, aber nenn ihn nicht so, das macht ihn wütend - und schlechtes Wetter möchte man oben am Kamm bestimmt nicht haben. Besser ist die korrekte Anrede "Herr der Berge". 😉
Das Riesengebirge (Krkonoše) ist Teil der Sudeten, der höchste Berg ist die Sněžka (Schneekoppe) mit 1603 m Höhe. Geologisch ist es Teil der Böhmischen Masse und Rumpfgebirge der variskischen Gebirgsbildung; die Granite und Gneise sind über 300 Mio. Jahre alt. Wie in den angrenzenden Mittelgebirgen sind die Kämme durch Erosion abgerundet und es gibt weite, offene Hochflächen. Über den Hauptkamm verläuft die Grenze zwischen Polen und Tschechien.
Wir wählen als unser Basislager den Campingplatz "Base Camp Medvědín" bei Špindlerův Mlýn (Spindlermühle). Von dort aus möchten wir drei schöne Touren empfehlen:
Die erste und leichteste Tour führt zur Elbquelle. Mit dem Sessellift fahren wir hinauf zum Medvědín. Von dort wandern wir auf breitem Weg mit viel Aussicht zur Vrbatova bouda. Auf der Terrasse machen wir eine erste Rast.
Danach nehmen wir nicht die direkte Route zur Elbquelle, sondern halten uns auf einem Pfad an der Geländekante, die mit steilen Felsen das oberste Elbtal einrahmt. Auf dem breiten Hauptweg würden wir sonst beeindruckende Aussichten und ein paar kleine Wasserfälle verpassen.
Die gigantische "Berghütte" Labská bouda ignorieren wir erst einmal und gehen weiter über weites, offenes Gelände mit Blick zum Riesengebirgskamm zur Elbquelle. Die Betoneinfassung der Quelle ist nicht besonders spannend, aber rundherum ist ein netter Rastplatz für die vielen Wanderer angelegt.
Eine Stärkung für den Abstieg holen wir uns dann doch in der Labská bouda und erst als wir unterhalb der "Hütte" vorbeilaufen, sehen wir, wie riesig das Gebäude tatsächlich ist - sollte wohl zum Gebirge passen. 🙂
Unser Weg folgt nun recht steil der noch ganz jungen Elbe, die über viele Stufen ins Tal plätschert. Am Talboden beginnt sie zu mäandern und schon dort fließen ihr viele kleine Bächlein von den schroffen Talhängen zu, so dass sie nach der Vereinigung mit ihrer Schwester Bílé Labe beim urigen Restaurant Myslivna schon ordentlich laut rauschen kann.
Die zweite Tour beginnt am Slezské sedlo (Spindlerpass), zu dem man direkt vom Campingplatz aus mit dem Wanderbus fahren kann. Wir wandern auf dem breiten Kammweg nach Westen bis zum Rundfunksender Śnieżne Kotły (Schneegruben).
Unterwegs haben wir viel Aussicht auf die polnische und tschechische Seite des Kammes. Einige schöne Felsformationen überragen direkt am Weg die niedrige Vegetation. Man kann gut erahnen, dass hier oben häufig raues Wetter herrscht. Erst oberhalb der Schneegruben bricht das Gelände auf polnischer Seite steil ab, dort sollte man unbedingt auf dem hervorragend befestigten Weg bleiben.
Es gibt einige Möglichkeiten, vom Kammweg abzusteigen, auch falls das Wetter einmal umschlagen sollte, oder man geht zurück zum Spindlerpass, falls man mit dem Auto hinaufgefahren ist.
Die dritte Tour startet auch am Spindlerpass und ist mit knapp 22 km die längste. Diesmal folgt man dem Kammweg bis zur Schneekoppe und von dort geht es über das Hochmoor Úpské rašeliniště zur Luční bouda und weiter entlang der Bílé Labe zurück ins Tal. Leider spielte bei uns das Wetter nicht mit, so dass wir uns diese Tour für einen anderen Zeitpunkt aufheben mussten.
Wieder ins Riesengebirge zu kommen lohnt sich bestimmt auch zu anderer Jahreszeit und wir geben dem Riesengebirge eine entsprechend gute Bewertung: