Pfingsten (Ende Mai) 2023
Zwei Radwege auf ehemaligen Bahntrassen zum Bayerischen Wald haben uns auf die Idee zu dieser schönen Radrunde gebracht: Einer führt von Regensburg nach Falkenstein, dort fuhr das sogenannte "Falkensteiner Bockerl", der andere verläuft zwischen Miltach und Straubing. Die beiden über Regen- und Donauradweg verbunden, so lag die Tour schon eine Weile "in der Schublade".
Wir wollen auf Campingplätzen übernachten und damit sich die Tagesetappen gut verteilen, starten wir an einem kleinen Parkplatz bei Michelsneukirchen. Dass unsere Strecke zuerst "Festspielradweg" genannt wird, erfahren wir von einer der Infotafeln. Mit sanftem Gefälle rollen wir ins Regental in Richtung Cham. Im Hintergrund ragt der Kamm des Böhmerwaldes und der Große Arber empor.
Es ist Pfingsten und in Cham ist Stadtfest - klar, dass wir eine kleine Bierpause einlegen, auch wenn bayerische Blasmusik nicht ganz oben auf unserer Hitliste steht. Die Regentalaue kennen wir gut, denn auf dem Regen sind wir schon oft hier vorbei gepaddelt. Dann radeln wir weiter flussaufwärts. (Kurz vor Chamerau sind wir vom Regetalradweg abgefahren um entlang der neu ausgebauten Straße "über den Berg" nach Bad Kötzting zu kommen. Diese Strecke können wir aber nicht empfehlen, besser einfach weiter am Regen entlang.)
In Bad Kötzting versammeln sich schon die Zuschauer für den Kötztinger Pfingstritt. Die Stadtdurchfahrt ist aber noch nicht abgesperrt und wir wissen auch gar nicht, dass die Reiter bald nach uns kommen werden. So stehen die Zuschauer zunächst einmal für uns Spalier und wir sehen uns gegenseitig etwas verdutzt an. 🙂 Darauf gönnen wir uns im Kurpark Bad Kötzting eine Kuchenpause.
Wir wollen noch weiter bis Viechtach und quälen uns einige Steigungen bergauf, nur um die erstrampelten Höhenmeter bei der nächsten Schussfahrt gleich wieder zu verlieren, bis wir endlich am Höllenstein-Stausee ankommen. Hoch über der Staumauer thronte bis vor kurzem noch ein Ausflugslokal mit schöner Aussicht auf den Stausee, das Gebäude wird aber gerade abgerissen. Ein Glück, dass wir selbst auch Verpflegung in den Satteltaschen haben.
Der neu gebaute Radweg auf der alten Bahntrasse von Viechtach nach Kreuzbach (Blaibach) ist nicht so spannend, dass sich die bergige Fahrt bis Viechtach wirklich gelohnt hätte. Beim nächsten Mal würden wir den Zipfel (siehe Karte) eher weglassen. Unser Tagesziel ist "Kanu+Camping aqua hema", diesen freundlichen Platz kennen wir schon seit unserer ersten Paddeltour auf dem Regen. Das Abendessen in Blaibach haben wir uns heute redlich verdient, danach drehen wir noch eine Runde durch das kleine Örtchen.
Am nächsten Tag die nächste Bahntrasse: Von der Donauebene bei Bogen bauten die Ingenieure Ende des 19. Jh. für den "Eisernen Hund" eine aufwändige Bahnstrecke bis nach Miltach im Regental mit Anschluss an die Regental-Bahn. Nach Stilllegung der Strecke führt heute der Donau-Regen-Radweg dort entlang. Wie bei einem Bahnradweg zu erwarten, sind die Steigungen und Gefälle moderat, Taleinschnitte wurden mit Brücken und Viadukten entschärft. Es macht viel Spaß, die Strecke so zügig entlang zu rollen.
In Bogen an der Donau kommen wir an, nachdem die "Kerzenwallfahrt" das Städtchen gerade verlassen hat. Seit 500 Jahren wird dort jedes Jahr zu Pfingsten eine knapp 13 m lange und 50 kg schwere "Kerze" zur Wallfahrtskirche auf den Bogenberg hinauf geschleppt. Auch vor 500 Jahren gab es eine Borkenkäferplage, die dadurch abgewendet werden sollte. Die Kerze muss aufrecht getragen werden, denn sollte die Kerze umfallen, dann steht Unglück ins Haus, sagt die Überlieferung. Ideen haben die Leute! Aber auch diesmal ist die Kerze nicht umgefallen, daran kann der Zustand unseres Landes also nicht liegen. 😉
Wir radeln auf dem Donauradweg weiter in Richtung Straubing, sehen aus der Ferne den Bogenberg mit der Wallfahrtskirche und in der Ferne die Klosterkirche Peter und Paul in Oberalteich. Der Donauradweg ist zwar gut ausgebaut, aber nicht beonders spannend. Die Donau bekommen wir selten zu Gesicht, da der Radweg nicht, wie erhofft auf, sondern meistens hinter dem Deich verläuft. Bald ist Straubing erreicht. Der Campingplatz liegt sehr ruhig auf einer Insel außerhalb der Stadt, die aber per Fahrrad schnell zu erreichen ist. Wir lassen uns viel Zeit, das schöne Städtchen zu besichtigen und zünftig zu Abend zu essen.
Die nächste Etappe soll uns nach Regensburg führen. Auf den etwas eintönigen Donauradweg haben wir keine Lust, also planen wir die Tour kurzerhand um "über die Dörfer" durch die Donauebene. Die Gegend ist dünn besiedelt und wir fahren auf guten Radwegen und wenig befahrenen Nebenstraßen vorbei an saftigen Wiesen und Erdbeerfeldern. Die Sonne meint es schon sehr gut, so freuen wir uns über die willkommene Abkühlung im Roither See.
In Regensburg sind wir immer wieder gern, einfach eine schöne Stadt. Wir müssen die Altstadt komplett durchfahren, um unseren Campingplatz ganz im Westen der Stadt zu erreichen. Von dort ist es nicht weit zur Regensburger Maidult, die gerade auf einer der Donauinseln stattfindet. Dort bleiben wir bis zum Dunkelwerden.
Gut ausgeruht geht es am nächsten Morgen wieder auf die Räder. Erst ein Stückchen durch die Stadt nördlich der Donau, dann auf die Strecke des "Falkensteiner Bockerls". An einigen Stellen gibt es Erinnerungen an die ehemalige Bahnstrecke; ein Bahnhof wurde gerade zu einer netten Raststation ausgebaut. Nun fahren wir wieder bergauf in Richtung Bayerischer Wald, aber Eisenbahnen schaffen zum Glück nur geringe Steigungen. Vielleicht sind wir inzwischen aber auch schon so gut eingefahren, dass wir die Steigung kaum spüren.
Die Burg Falkenstein kommt in Sicht, an ihrem Fuße endet der Bahntrassenweg. Noch einmal geht es rasant bergab, aber leider auch wieder ordentlich bergauf, bis wir unseren Startpunkt bei Michelsneukirchen erreichen. Wir haben auf dieser abwechslungsreichen Runde viel gesehen und erlebt und würden sie jederzeit wiederholen, deshalb bekommt die Tour von uns die beste Wertung: