Ploučnice

Anfang Juni 2025 / Mitte Juni 2026

Kleines Flüsschen mit Hindernissen. Die Ploučnice entspringt im Jeschkengebirge am Südwesthang des Ještěd. Ein üblicher Einstieg für Paddler befindet sich in der Nähe von Noviny pod Ralskem. Gleich nach dem Einstieg kommt eine echte Sehenswürdigkeit: Wir paddeln durch einen Felsentunnel, der schon im 16. Jh. durch den Sandstein getrieben wurde. Die Bezeichnungen "Höllenschlund" und "Teufelsloch" müssen keine Angst machen, man kann ganz bequem hindurch paddeln, am Ende wird man über eine kleine Stufe "ausgespuckt".

Danach fließt die Ploučnice mit einiger Strömung durch ein schmales Bett mit dicht bewachsenen Ufern. Die wenigen Wehre und Stufen, die dann folgen, kann man rechtzeitig gut erkennen, um zu entscheiden, ob man umträgt oder einfach darüber fährt. Wir steigen nur bei einer etwas höheren Stufe aus und tragen kurz um. Viele Paddler waren hier dieses Jahr noch nicht, wie es aussieht.

Von der umgebenden Besiedlung merken wir auf dem Fluss überhaupt nichts und auch vom Städtchen Mimoň (Einkaufsmöglichkeit) ist wenig zu sehen. Die Flussaue ist parkähnlich gepflegt; ein Arbeiter steuert einen großen Rasenmäher per Funk über die Uferwiesen. Nachdem der Mäher hinter uns verschwunden ist, hört Susi ein anderes Geräusch: ein leise perlendes Blubbern kommt irgendwo unter dem Boot hervor.

Beim Imbiss "Joe's Oasis" steigen wir aus, um das zu überprüfen. Inzwischen ist auch der Bootsboden unseres Schlauchkanadiers schon etwas weicher geworden. Ergebnis der Inspektion: Irgendwo, vielleicht an der letzten Stufe (tschechisch: Stupeň), haben wir uns ein kleines Loch in die Bootshaut gefahren. Wir trocknen die Stelle und reparieren sie mit dem originalen Gumotex Reparaturmaterial. Nach der vorgegebenen Wartezeit pumpen wir den Bootsboden wieder auf und fast augenblicklich bildet sich unter dem Flicken eine Luftblase.

Wir könnten mit unserem Boot problemlos auch mit den zwei äußeren Luftschläuchen weiterfahren und den Bootsboden ignorieren. Oder wir starten einen weiteren Reparaturversuch, der aber wieder erheblich Wartezeit erfordern würde. Das Auto steht an der Einsatzstelle beim Teufelsloch, die Fahrräder an unserem Tagesziel Tábořiště Boreček. Schlussendlich beschließen wir, dass ich zu Fuß zum Auto laufe und Susi später samt Boot abhole.

Beim ersten Haus, an dem ich vorbeikomme, schaut ein älterer Mann aus dem Fenster und ich versuche ihn auf Englisch nach dem besten Weg zu fragen. Der Mann hört zu und antwortet nur "I give you a lift." - was ich nicht sofort verstehe, weil ich nicht erwarte, dass ein Tscheche in seinem Alter so gut Englisch spricht. Als wir kurz danach gemeinsam in seinem Auto sitzen, erfahre ich, dass er viele Jahre in Australien gelebt hat und jetzt als Rentner wieder in seine Heimat zurückgekommen ist.

Schwuppdiwupp sind wir beim Teufelsloch und ich bedanke mich fürs Fahren. Zu Fuß wäre ich mindestens zweieinhalb Stunden unterwegs gewesen, so ist Susi erstaunt, dass ich nach so kurzer Zeit wieder zurück bin. Wir packen das Boot zusammen und fahren zu unserem Übernachtungsplatz auf dem Tábořiště Boreček. Der Betreiber zeigt uns stolz seinen neu gebauten Bier/Cola-Automaten - klar, dass wir den ausprobieren. Die Paddeltour auf der Ploučnice ist aber erst einmal abgebrochen.

Ziemlich genau ein Jahr später sind wir wieder in der Gegend und setzen die Tour fort. Wir lassen das Boot am Campingplatz liegen und stellen das Auto zum Wehr Brennský mlýn, das ist die nächste Ausstiegsmöglichkeit mit Straßenkontakt. Per Fahrrad fahren wir zurück zum Boot. Auf dem Rad sind es nur 9 km, da der Fluss so stark mäandert, sind es im Boot knappe 16 km.

Beim Tábořiště Boreček können wir bequem ins Boot einsteigen und bald ist gute Bootsbeherrschung gefragt: Ab und zu schmale Durchfahrten, Kurven mit ordentlicher Strömung und viele Bäume und Sträucher, unter denen man sich ducken oder regelrecht hindurchmogeln muss. Bestimmt keine Tour für Anfänger oder mit kleinen Kindern. Aber uns macht es viel Spaß und die Landschaft hält viel Sehenswertes bereit. Es gibt keine Straßen, nicht einmal Wanderwege am Ufer. Dafür aber jede Menge Natur, ab und zu ein paar Felspassagen, Vogelgezwitscher, Libellen - einfach schön.

Bei einer Rast schauen wir über das Tal, sehen aber nur eine kilometerlange Wiese. Wo sich der Fluss zwischen den Hochufern hin und herschlängelt, ist kaum zu erkennen. Zu Saisonbeginn fahren die Leute vom Bootsverleih "Půjčovna lodí Meandry Ploučnice" die Strecke bis Brennský mlýn ab und sägen ein paar Durchfahrten frei. Auf den letzten Kilometern haben sie aber etwas nachgelassen und so liegen wir zum Schluss alle paar Meter flach im Boot, um uns unter einem Baum oder Ast durchzuschieben. Von dort gibt es deshalb auch keine Fotos. 😉

Insgesamt ist die Ploučnice aber ein interessanter Fluss mit vielen Gesichtern und langen, sehr einsamen Abschnitten und wir geben ihr gern