Ostern, Anfang April 2026
"Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen", sagte schon Heraklit und auch Paddeltouren auf dem selben Fluss sind immer anders. Unsere letzte Tour auf der oberen Saale war 2012 – mal sehen, was sich inzwischen verändert hat. Damals hatten wir sie nicht so besonders gut bewertet, wir geben ihr aber gern eine zweite Chance.
Für das Osterpaddeln haben sich dieses Jahr fast zu viele Leute interessiert, letztlich sind wir dann aber doch "nur" zwölf Leute in sechs Booten, das ist eine schöne Gruppengröße. Der größte Teil der Gruppe versammelt sich bereits am Donnerstagabend an der Fattigsmühle, dort dürfen wir in Zelt und Auto übernachten.
Karfreitag vormittags ist der "offizielle" Tourstart in Hof beim Abenteuerladen, wo wir die noch fehlenden Boote ausleihen können (zwei Gumotex Palava). Die Saale hat einen Pegel von 177 cm und viel weniger sollte es auch nicht sein. Der Abenteuerladen verleiht erst ab 165 cm. Die 140 cm, die auf der Jübermann-Karte als empfohlener Mindestpegel stehen, sind nicht realistisch.
Während ein Teil der Gruppe die Autos zum Zielort Saalburg fährt, machen die anderen die Boote startklar. Mittags sind wir auf dem Wasser und mit guter Stimmung und Strömung paddeln wir los. Die Saale schlängelt sich anfänglich zwischen stärker bewachsenen Ufern hindurch. Manchmal müssen wir uns unter einem niedrigen Ast oder einem querliegenden Baum ducken. Bei einem schmalen Durchlass treideln wir die Boote lieber, nachdem zwei "Mädels" eine Saale-Taufe zelebriert hatten. 🙂
Mit der Zeit tritt der dichte Uferbewuchs zurück, das Flussbett wird breiter – und zugleich flacher, so müssen wir gut aufpassen, nicht auf größeren, überspülten Steinen hängen zu bleiben. Rumpelnde Bodenkontakte völlig zu vermeiden ist kaum möglich. Ab und zu steuern wir durch einen kleinen Schwall. Die flachen Ufer lassen uns viel Ausblick in die dünn besiedelte Landschaft. Vom Osterverkehr auf der hohen Autobahnbrücke ist von unten nichts zu hören.
Das erste Umtragen an der Fattigsmühle fühlt sich etwas merkwürdig an, hier waren wir doch schon!? Die Fattigsmühle war aber einfach der beste Übernachtungsplatz im Umkreis. Bis zum Wehr Joditz bleibt es immer noch recht flach, man kann aber alles gut paddeln. Für die längeren Umtragestellen haben wir Bootswagen dabei.
An der Lamitzmühle musste man früher das Grundstück weiträumig umtragen. Seit der damalige Besitzer zur Strafe in der Hölle Steine umtragen muss 😉, kann man dort nun ohne Verbot die Boote recht einfach über die schräge Wehrkrone heben.
Unseren Übernachtungsplatz haben wir schon zu Hause per Luftbild ausgewählt und er ist perfekt: schöne Wiese, einsame Natur und genügend Totholz. Nach dem gemeinsamen Kochen sitzen wir abends noch lange am Lagerfeuer. Der Mond lugt ab und zu durch die Wolkendecke, die verhindert, dass es nachts zu kalt wird.
Der nächste Morgen ist auch noch trüb wie der Vortag, aber es regnet die ganze Tour über nicht nennenswert. Gemeinsames Frühstück und morgendliches "Lagerleben", danach wirkt das Bepacken der Boote schon geübter als beim Start in Hof. Wir verlassen die schöne Stelle fast ohne Spuren zu hinterlassen und paddeln weiter in Richtung Hirschberg.
Hier trennte die Saale bis zum Mauerfall die beiden deutschen Staaten. Davon ahnt man nur noch wenig, nur einmal sehen wir einen verwitterten Grenzpfahl im Wald. Ein Wildschwein flüchtet direkt vor uns quer durch den Fluss von Bayern nach Thüringen. Was soll es auch tun – die alte Holzbrücke, erst nach dem Mauerfall gebaut, steht nur noch zur Hälfte. 😉
Ab Hirschberg paddeln wir durch Thüringen und ab dort ist die Saale als Bootswanderweg "Das blaue Band" ausgebaut worden. Aus- und Einstieg am Steinmühlenwehr sind vorbildlich, daneben gibt es einen Rastplatz, an dem wir gleich mal "Mittag" machen. Das Kühnmühlenwehr 500 m stromab wurde auch mit einer gepflasterten Ausstiegsrampe versehen. Die ist allerdings so verschlammt, dass wir nur mit Mühe aus den Booten kommen. Vielleicht könnte die FFW dort mal eine Schlauchübung machen? Am Einstieg unter dem Wehr sind meine langen Watstiefel eine gute Hilfe.
Die Landschaft bleibt einsam und wenig besiedelt, ein großer Teil der Baumplantagen (aka "Wald") ist Witterung und Käfern zum Opfer gefallen. Ende des letzten Jh. gab es unter Forstleuten den Spruch: "Einmal Fichte geht noch." – vielleicht war das eine dumme Entscheidung. Stellenweise wachsen aber auch schon die passenden Laubbäume nach.
Das Sparnberger Wehr hat auch gepflasterte Aus- und Einstiege, wir heben die Boote trotzdem wieder über die trockene Wehrkrone, das geht auch ganz gut. Danach paddeln wir weiter zwei langgezogene Flussschlingen entlang durch einsame Landschaft. Unterwegs füllen Susi und ich an einer klaren Quelle direkt am Flussufer unseren Wasservorrat auf. Unser heutiges Ziel ist der Rastplatz Blumenaumühle bei Pottiga. Dort gibt es genügend Wiese für unsere Zelte und sogar eine Lagerfeuerstelle. Es wird wieder ein schöner Abend mit Lagerfeuermusik.
Den Ostersonntag können wir ganz gemütlich beginnen, denn unsere Tagesstrecke ist kürzer als an den Vortagen. Natürlich gibt es das "traditionelle" Eier-Kicken im K.-o.-System. Dieses Jahr krönen wir eine Eierkönigin. 🙂 Ausgiebiges Frühstück, danach ein bisschen "Arbeit": Wir haben den Rastplatz gewählt, weil danach eine lange Umtragestelle kommt und die Boote zum Übernachten ohnehin ausgeräumt sind. "Das blaue Band" schreibt von einer Umtragestrecke von 1,7 km Länge. Wir rollen Boote und Gepäck zwar "nur" 550 m weit bis zur grünen Grüne-Band-Brücke, das ist aber auch schon weit genug.
Unter der Brücke gibt es eine flache Rampe, wo man gut einsetzen kann. Danach folgt eine sehr flache Strecke, teilweise müssen wir treideln, bis das Wasser des Mühlgrabens wieder dazu fließt. Pottiga hat sich für teures Geld die Aussichtsplattform "Skywalk" am Wachhügel geleistet, damit man von dort hinab auf die Blumenaumühle schauen kann. Auch die Wanderwegebrücke ist gut in Schuss. Vielleicht könnte jemand mal einen Nachmittag lang mit einem Mini-Bagger eine Paddelboot-Fahrrinne nach dem Wehr frei machen? Oder ist die lange Umtragestelle als Trimm-Dich-Pfad gedacht? 😉
Die verbleibenden beiden Wehre sind mit der Übung, die wir inzwischen haben, keine großen Hindernisse mehr. Zwar gibt es in Blankenburg die Borstengasse leider nicht mehr, durch die wir die Boote früher treideln konnten –dann heben wir eben wieder über die Wehrkrone. In Blankenstein geht es noch einfacher: wir lassen die beladenen Boote auf einem dünnen Wasserfilm das Schrägwehr hinunter rutschen und fangen sie unterhalb wieder ein.
Nach Blankenstein ändert sich Landschaft nochmal ein bisschen. Die Felsen am Ufer werden zahlreicher und höher und irgendwann beginnt unvermittelt der Rückstau der Bleiloch-Talsperre. Der liegt je nach Stauhöhe immer an anderer Stelle, bei niedrigem Staupegel kommen sogar noch nach Harra alte Stufen ans Tageslicht. Wir paddeln aber erst mal zum schönen Campingplatz am Trepplesfelsen in Harra. Wer will (alle 🙂) duscht sich mal wieder, abends sitzen wir gemeinsam in der kleinen Camping-Schänke. Wir hätten aber auch Lagerfeuer machen dürfen, wenn wir gewollt hätten.
Der Ostermontag begrüßt uns mit strahlendem Frühlingswetter. Der Wind vom Vortag hat sich gelegt, also gute Bedingungen für unsere letzte Etappe. Die hat zwar keine Wehre oder andere Hindernisse, dafür sind es aber 20 km ohne Strömung. Der Bleilochstausee windet sich zwischen hohen Ufern, an die toten "Wälder" haben wir uns inzwischen gewöhnt. Hoffe, dass sich das bald wieder begrünt. Um für eine Rast anzulegen, muss man ein bisschen suchen, es sind aber nette Stellen zu finden. Wenn doch etwas Gegenwind aufkommt, nehmen wir die beiden Schlauch-Kanadier an die Schleppleine um ihnen ein bisschen zu helfen. So kommen alle wohlbehalten in Saalburg an, wo wir beim Segelverein die Tour beenden und unsere Autos schon bereit stehen.
Wir finden, dass die obere Saale trotz einiger Hindernisse ihre Reize hat. Und da wir hier nicht nur den Fluss bewerten, bekommt die Tour wegen der harmonischen und netten Gruppe eine bessere Bewertung als beim letzten Mal, nämlich